Leben mit der Krise
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Hinfallen ist keine Schande ...

>> Die Befreiung

Die Bank sperrt die Konten, der Konkurs wird angemeldet und mangels Masse abgewiesen. Aber, wär es auch anders gegangen?

Stichworte: Branchen: Gastronomie | Erfahrungsberichte | Exekution | Familienbetrieb | Konkursantrag | Teamgründung | Unsicherheit

Versuche hab ich dann schon immer wieder unternommen, aber oft dann auch mit untauglichen Mitteln. Es hat die Bank zuerst immer wieder Geld gegeben, bis es gar nicht mehr gegangen ist. Als ich dort war und der Bank erklärt habe, wie es steht, haben sie gesagt, "na da kann man eh nichts mehr machen" und sie haben die Konten gesperrt. Das heisst, wir waren definitv zahlungsunfähig und darauf hin bin ich eigentlich zur Bettina und hab zu ihr gesagt: wenn wir jetzt nicht anmelden, dann kriegen wir auch noch ein strafrechtliches Problem, der Steuerberater hatte mich da eindringlich gewarnt. Der Konkurs wurde natürlich mangels Masse abgelehnt, ich hatte ja nicht einmal die 50.000.

Aber ich muss sagen, es war eine Mörderbefreiung. Das kann sich jemand, der das nicht erlebt hat, nicht vorstellen. Das ist das letzte Ding und dann ist alles vorbei. Es ist dann nicht so, weil dann ist der Privatkonkurs noch gekommen und das ist eine ziemliche Prozedur. Aber es fällt eine Last von dir, wenn du einen Schritt getan hast, von dem du selbst schon lange Zeit weisst, dass er kommen wird.

Und dann ist das alles privat schlagend geworden. Das mit der Gmbh ist auch ein totaler Unsinn, weil das einzige, wofür du nicht persönlich haftest, sind die Lieferantenschulden und die Lieferanten musste ich sowieso bezahlen, sonst hätt ich ja nicht einmal mehr ein Bier ausschenken können. Ich war für den Kredit der Bürge, das war mir klar. Aber dass ich auch bei allen anderen Schulden die volle Haftung habe, das hatte mir niemand gesagt. Aber da denk ich mir, da hätte ich mich auch besser erkundigen können.

Und jetzt kommts: Ich hatte den Konkurs schon angemeldet, da hat die Bank plötzlich gemeint, sie wären mit einer Streichung von 60% der Schuld einverstanden gewesen, der Rest einige Zeit tilgungsfrei und zinsenfrei gestellt. Das heisst, ich hätte mich innerhalb eines Jahres erfangen können weil das Gros der Schulden war ja bei der Bank. Ich versteh die Bank nicht ganz, weil ich hab Ihnen ehrlich den Stand der Dinge gesagt, entweder haben sie mir nicht geglaubt oder einfach nicht geglaubt, dass ich Konkurs anmelde. Also diese Möglichkeit hätte es damals gegeben. Aber erstens hab ich nicht geglaubt, dass sie das machen und zweitens war ich eben überhaupt nicht mehr verhandlungsfähig.

Zu einer Schuldnerberatung wollte ich noch gehen, bevor ich Konkurs angemeldet habe. Da hab ich bei der Stadt Wien angerufen, dort hat es geheissen, nicht für Selbständige. Ich hab herumgesucht wegen einer Schuldnerberatung, dann hab ich die KWH-Schuldnerberatung gefunden. Eigentlich wollte ich wissen, wie mach ich das eigentlich, wenn ich in Konkurs gehe. Wie kann ich den Schaden so klein wie möglich halten und wie ist das überhaupt mit Privatkonkurs und so, davon hatte ich ja schon gehört. Drei Monate Wartefrist für einen Termin, aber soviel Zeit hatte ich einfach nicht mehr. Eigentlich hat mir dann beim Privatkonkurs der Richter alles erklärt, 10% Quote und so, ich hatte ja überhaupt keine Ahnung.

Weiterlesen:

Kap. 1: Hinfallen ist keine Schande ...

Kap. 2: Ein Beinahe-Familienbetrieb und die ersten Probleme

Kap. 3: Das zweite Standbein und von nun an ging es bergab

Kap. 4: Festhalten an jedem Strohhalm

Kap. 5: Status, Versagen und Verhandeln: Beim ersten Mal ist es dir noch peinl

Kap. 6: Die Befreiung

Kap. 7: Das Leben danach

Online seit: 29.07.2003

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