Stichworte: Abschöpfungsverfahren | Branchen: Handel | Erfahrungsberichte | Geschäftsführer GmbH | Krida | Privatkonkurs | Teamgründung
Wir waren im Aufschwung, mit anderen Worten, von 1,2 Mio. ATS Umsatz im ersten Geschäftsjahr sind wir im zweiten Jahr auf einen Umsatz von 14 Mio. ATS hochgefahren. Das hört sich aufs erste ja einmal gut an. Aber unser eigentliches Problem wurde schnell klar: wir hatten viel zu wenig Eigenkapital, denn steigender Umsatz bedeutet, dass ich immer größere Summen zwischenfinanzieren muss. Erschwerend ist dazugekommen, dass die großen Unternehmen sehr lange Zahlungsziele hatten, 90 Tage waren üblich. Bei den kleinen Händlern kämpften wir mit der Zahlungsmoral.
Also pilgerte ich regelmäßig zur Bank weil wir einen immer größeren Rahmen brauchten. Mein erster Rahmen war 300.000 ATS, der reichte bald nicht mehr und was machte die Bank? Die 300.000 wurden auf einen Investitionskredit umgeschuldet und ich hatte wieder einen Rahmen von 300.000. Aber so schnell konnte ich gar nicht schauen, war der Rahmen schon wieder ausgeschöpft. Und das ist mit einer wahnsinnigen Geschwindigkeit immer so weiter gegangen. So wie die Umsätze in die Höhe geschnellt sind, so schnell sind die Schulden bei der Bank gestiegen. Auf einmal hatte ich 2,1 Mio ATS Verbindlichkeiten auf dem Konto und 2 Mio ATS Kredit, weil in Wahrheit hat das alles ja schon nicht mehr zusammengepasst. Ich hatte alleine pro Quartal 70.000 ATS Zinsen zu zahlen und damit kämpfte ich bald, an eine Kapitalrückführung war gar nicht zu denken.
Zuvor hatte ich in großen Unternehmen gearbeitet und war es gewohnt, in großen Mengen und großen Summen zu denken. Ich hatte also eine Art Industriedenken, nur passte unsere Eigenkapitalausstattung nicht dazu. In meiner Naivität wollte ich das damals nicht sehen, in Wahrheit war die Expansion viel zu schnell. Ich dachte, ich schaff das auch so und mein großer Denkfehler war, dass ich bei der Bank umso besser dastehe, je mehr Umsatz ich mache. Das stimmte aber so nicht, im Gegenteil sind sie immer mehr auf die Bremse gestiegen.
Und ich hatte Blut geleckt. In unserem Vertrag waren nämlich bestimmte Schwellenwerte bei den Umsätzen festgeschrieben, also wenn ich diesen oder jenen Umsatz mache, dann gibt es bestimmte Zuckerl. Darauf wolle ich nicht verzichten, also das waren bessere Einkaufsbedingungen und Anteile an Werbekosten. Also versuchte ich den Umsatz immer höher und höher zu treiben, gleichzeitig sperrte sich die Bank bei den nötigen Zwischenfinanzierungen immer mehr.
Da muss es etwas geben, dachten wir uns, irgendwie muss das doch möglich sein. Also sind wir auf Factoring gekommen. Die Bevorschussung durch die Factoring-Bank hat natürlich eine gewisse Entspannung gebracht. Nur kostet das auch wieder Geld und drückte damit auf die Spanne. Wir hatten immerhin acht Beschäftigte und eine Lagerhalle mit einem ziemlich hohen Warenumschlag. Da muss alles passen, aber in Wahrheit lief es schon sehr bald nicht mehr rund und der Druck war schon ziemlich hoch.
Kap. 1: In den Konkurs expandiert
Kap. 2: Umsatz und Schulden erreichen ungeahnte Höhen
Kap. 3: Anwälte und Richter sind am Wort
Kap. 4: Konflikte an allen Ecken
Kap. 5: Konkursantrag abgewiesen, Kridaverfahren eröffnet
Kap. 6: Die Existenzbasis: wo wohnen, wo arbeiten?
Kap. 7: Wieder die Freiheit, zu wählen
Online seit: 21.02.2005


Haftung des Geschäftsführers, der Gesellschaft und der Gesellschafter der GmbH