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Insolvenzstatistik 1. HJ 2011: Insolvenzen stagnieren auf hohem Niveau

3.024 Unternehmen schlitterten im 1. HJ 2011 in die Insolvenz. Mangels Vermögen nicht eröffnete Verfahren tendenziell rückläufig, Sanierungsverfahren mit Eigenverwaltung findet Zuspruch.

Stichworte: Insolvenzstatistik | Sanierungsverfahren

Kleinere Unternehmen stärker von Insolvenzen betroffen

Laut KSV 1870 wurden im 1. Halbjahr 2011 1.672 Insolvenzverfahren über Unternehmen eröffnet. Das bedeutet im Vergleich zum 1. Halbjahr 2010 einen leichten Rückgang um 3 Prozent. Stärker zurückgegangen ist die Zahl der betroffenen Beschäftigten: 10.300 Beschäftigte waren betroffen, das bedeutet einen Rückgang um 5,5 Prozent im Vergleich zum 1. HJ 2010. Noch stärker rückläufig waren die offenen Verbindlichkeiten, sie fielen um 30% geringer aus.

Die Insolvenzrechtsreform 2010 (IRÄG 2010) hatte zwei große Ziele: Die Zahl der nichteröffneten Verfahren mangels Vermögen zu reduzieren und die Zahl der Sanierungsverfahren weiter zu erhöhen bzw. Unternehmer zu einer früheren Einleitung von Sanierungsschritten zu bewegen.

Abgewiesene Insolvenzverfahren rückläufig

Im 1. Halbjahr 2011 wurden insgesamt 3.024 Insolvenzen von Unternehmen registriert, um 5,4 Prozent weniger als im 1. Halbjahr 2010. In 1.672 Fällen wurde das Insolvenzverfahren eröffnet, damit lag der Anteil der mangels Vermögens nicht eröffneten Fälle bei 45 Prozent. 1.352 nicht eröffnete Verfahren bedeuten im Vergleich zum 1. Halbjahr 2010 einen Rückgang um 8,2 Prozent. Die Zahl der abgewiesenen Insolvenzverfahren ging also stärker zurück als die Insolvenzen gesamt.

Rund 75% der mangels Vermögen nicht eröffneten Insolvenzverfahren betreffen Einzelunternehmen, also voll haftende Unternehmer und Unternehmerinnen. Sie sind nicht in der Lage, den nötigen Kostenvorschuss für die Eröffnung des Insolvenzverfahrens (in aller Regel 4.000 Euro) zu erbringen. Der KSV fordert, dass gegen Einzelpersonen Nichteröffnungsbeschlüsse nicht zugelassen werden sollten. Der Grund: viele der insolventen Einzelunternehmer können oder wollen erst einige Jahre später im Rahmen einer privaten Schuldenregulierung (Privatkonkurs) ihre finanzielle Situation auf neue Beine stellen. Bis dahin sind jedoch viele Forderungen verjährt, während erfahrungsgemäß andere Forderungen in diesem Zeitraum aufgrund von Verzugszinsen und anderen Begleitkosten geradezu explodieren.

Der KSV scheint also zu befürchten, dass durch die derzeitige Regelung bestimmte Gläubigergruppen Nachteile erleiden. Außerdem würden manche Einzelunternehmer und –unternehmerinnen nach einem abgewiesenen Konkurs aus einer aussichtslosen Position heraus weiterwurschteln. Ein klarer Schnitt und eine finanzielle Neustrukturierung würden auch einen unternehmerischen Neustart ermöglichen.

Sanierungsverfahren mit Eigenverwaltung stärker in Anspruch genommen als gerichtlicher Ausgleich

Ziel der Insolvenzrechtsreform 2010 war auch, die Zahl der Sanierungsverfahren im Rahmen gerichtlicher Insolvenzverfahren weiter zu stärken. Nach einem Jahr kann eine erste Bilanz gezogen werden: In den Jahren 2007 bis 2009 wurde in 30% aller Insolvenzverfahren ein Sanierungsverfahren (Zwangsausgleich bzw. gerichtlicher Ausgleich) beantragt.

In den letzten 12 Monaten wurde in 46% aller Verfahren eine Unternehmenssanierung beantragt. Besonders das Sanierungsverfahren mit Eigenverwaltung dürfte die Erwartungen erfüllen. Das Sanierungsverfahren mit Eigenverwaltung löste den gerichtlichen Ausgleich ab, der mit rd. 2% aller Insolvenzverfahren nur mehr ein Schattendasein fristete.

Auch wenn die Mindestquote mit 30 Prozent bei einem Sanierungsverfahren mit Eigenverwaltung niedriger angesetzt ist als sie sie es mit 40 Prozent beim gerichtlichen Ausgleich war, dürfte sich eine win-win-Situation für die Unternehmer und für die Gläubiger ergeben: Immerhin waren 8 Prozent der seit 1. Juli 2010 neu eröffneten Insolvenzverfahren Sanierungsverfahren mit Eigenverwaltung. Damit dürfte unterm Strich für die Gläubiger mehr übrig bleiben und die Unternehmer / Unternehmerinnen können im Rahmen des Sanierungsverfahrens eine aktivere Rolle einnehmen.

Quelle: KSV 1870

Online seit: 01.07.2011

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