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Hinfallen ist keine Schande ...

>> Ein Beinahe-Familienbetrieb und die ersten Probleme

Das Lokal lief gut an, aber zwei Problembereiche zeigten sich bald: Das Sommerloch schlug kräftig zu und das Konzept funktionierte solange, wie die Beziehung funktionierte...

Stichworte: Branchen: Gastronomie | Erfahrungsberichte | Exekution | Familienbetrieb | Konkursantrag | Teamgründung | Unsicherheit

Die Kombination war insgesamt gut, damals mit Bettina in der Küche, ich vorne bei den Gästen. Damit waren an und für sich die Hauptbereiche abgedeckt und die Voraussetzungen gut um ein kleines Beisl zu machen.

Was ich nicht bedacht hatte, waren die Ausfälle im Sommer. Also mit denen hatte ich nicht ganz gerechnet. Dass es so dramatisch ist. In dem Lokal, in dem wir vorher gearbeitet hatten, da war fünf Wochen zu, drei Wochen Juli und zwei Wochen August und da ist es mir nicht so aufgefallen. Bis ich es selbst erlebt habe, weil die Kosten rennen alle weiter und es gibt praktisch null Einkommen, der Umsatz ist teilweise um 70-80% weniger. Aber trotzdem hat sich das alles gerechnet.

Das Grundkonzept als solches hat eigentlich funktioniert. "Eigentlich" sage ich deswegen, weil das hätte notwendig gemacht, dass wir zusammen bleiben. Dort hat das Problem nämlich angefangen. Wie die Bettina und ich auseinandergegangen sind, so um 93, hat sich klimatisch alles verändert, es ist alles eher zum hick-hack geworden. Dazugekommen ist - das war sicher auch von mir ein gewisses laissez-faire - nach dem Motto: was spielt das schon alles für eine Rolle. Dann eine Spur Großmannssucht, schwachsinnige Geldausgaben. Dann ist es weitergegangen: Die Bettina wollte plötzlich eine Stundenabrechnung und so weiter und so fort. Die Bettina war Teilhaberin in der Gesellschaft. Wir haben unter uns eine Aufteilung von 50:50 ausgemacht, rein rechtlich hatte ich 80% und die Bettina 20%, damit wenigstens sie angestellt sein konnte. Im Nachhinein betrachtet war das natürlich auch nicht das Geschickteste, aber solange die Welt in Ordnung war, hat es gepasst.

Gar nichts hat dann mehr gepasst, sie hat geheiratet, ich hatte eine Freundin. Ihr Mann hat mächtig Druck gemacht, dass sie da nicht mehr zuviel arbeiten sollte. Das heisst, wir mussten dann einen Koch aufnehmen. Nicht nur, dass alles langsam aus dem Ruder gelaufen ist, haben sich die Personalkosten letztlich mehr als verdoppelt. In einem Beisl, das halt als Familienbetrieb funktioniert, hab ich plötzlich Personal bezahlen müssen.

Dass etwas passieren könnte, das Gefühl hab ich damals schon bekommen. Das heisst, ich hab mich hingesetzt und einmal eine Kostenrechnung veranstaltet. Hab mich dann mit der Bettina zusammengesetzt und gesagt: entweder das Beisl fahrt in den Graben runter und zwar relativ rapide oder wir raufen uns einfach zusammen. Das war dann die Phase, wo wir dann wieder Personal reduziert haben, die Bettina wieder sich mehr eingebracht hat. Die Trennungsgeschichte war schon mehr vorbei, man hat wieder miteinander reden können. Das hat dann ein Weilchen gut funktioniert. Also wenn nicht die Geschichte mit dem zweiten Lokal gewesen wär, dann hätt das alles gepasst.

Weiterlesen:

Kap. 1: Hinfallen ist keine Schande ...

Kap. 2: Ein Beinahe-Familienbetrieb und die ersten Probleme

Kap. 3: Das zweite Standbein und von nun an ging es bergab

Kap. 4: Festhalten an jedem Strohhalm

Kap. 5: Status, Versagen und Verhandeln: Beim ersten Mal ist es dir noch peinl

Kap. 6: Die Befreiung

Kap. 7: Das Leben danach

Online seit: 29.07.2003

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