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Das war ja eigentlich ganz anders gedacht, das war diese Franchise-Geschichte als irisches Pub, an die gedacht war, mit eher geringem Kapitalaufwand. Und dann hab ich ein Lokal dafür gesucht und statt dessen hab ich diese Bäckerei - oder Restaurant oder was es war - gefunden, in der Wiener Innenstadt, das war so 1995. Es war klar, dass es für ein Irish Pub nicht geeignet war. Aber es war einfach ein Schnäppchen, wie es sich gestaltet hat und wie es ausgesehen hat, auch nach Prüfung eines Steuerberaters. Es hat sich dann gezeigt, dass die Bilanz mit der Wirklichkeit nichts zu tun hatte, die war mächtig aufgefettet.
Es war der Einfahrer pur. Der Anfang vom Ende. Weil nicht nur, dass vom Gewinn weit und breit keine Spur war, die Umsätze weit unter den Erwartungen, und dann ist das nächste Problem mit der Miete aufgetaucht. Damals gab es eine Gesetzesänderung und ich hatte das Lokal mit einer Miete von 18.000 Schilling übernommen. Und plötzlich wurde die auf fast 100.000 Schilling raufgesetzt.
Ich hab mich hingesetzt und gerechnet. Und es war klar, das kann sich nicht ausgehen, viel Umsatzsteigerung war nicht mehr drin. Ich hätte sogar noch einen Käufer dafür gehabt, der es mir zu einem guten Preis abgekauft hätte, der war einfach am Standort interessiert. Ich bin aber noch zu so einem Verein gegangen, der die Mieter vertritt. Die haben mir gesagt, dass mein Vermieter keine Chance hätte, weil die können nicht einfach von 18.000 auf diese Forderung kommen, das ist unmöglich.
Wir haben ein Jahr lang prozessiert, die Prozesskosten hat dieser Verein getragen und wir haben verloren. Plötzlich wurde eine knappe Million fällig innerhalb von 14 Tagen denn bis dahin hatte ich nur die Miete bezahlt, die am Anfang war. Keine Umsätze da, die Million nicht da. Da hab ich gewusst, ich muss sofort was tun und ich wollte alles verkaufen, alle zwei Lokale. Ich hab eigentlich erwartet, dass ich das Beisl leichter verkaufen kann. Verkaufen konnte ich das Lokal in der Innenstadt, den Käufer hat auch einfach der Standort interessiert. Letztlich hab ich beide Lokale nicht halten können.
Kap. 1: Hinfallen ist keine Schande ...
Kap. 2: Ein Beinahe-Familienbetrieb und die ersten Probleme
Kap. 3: Das zweite Standbein und von nun an ging es bergab
Kap. 4: Festhalten an jedem Strohhalm
Kap. 5: Status, Versagen und Verhandeln: Beim ersten Mal ist es dir noch peinl
Kap. 6: Die Befreiung
Kap. 7: Das Leben danach
Online seit: 29.07.2003


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