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Ein Sanierungsberater - brauch ich das?

Kurze und bündige Antwort: ja. Und dafür gibt es viele Gründe

Stichworte: Liquiditätskrise | Sanierungsberatung

Krisen kündigen sich an, sie entwickeln sich über Monate, oft Jahre. Es gibt zumindest drei Gründe, warum die Krise akut geworden ist:

  1. Sie haben die Krisenanzeichen nicht oder zu spät erkannt.
  2. Sie haben die Krisenanzeichen erkannt, haben aber keine geeigneten Schritte gefunden, um sie abzuwenden.
  3. Sie haben die Krisenanzeichen erkannt, kennen auch die notwendigen Schritte, konnten Sie aber aufgrund von Traditionen oder einer innerbetrieblichen Kultur der Konfliktvermeidung nicht umsetzen.

Egal welcher der drei Fälle zutrifft, in jedem Fall bedeutet ein externer Berater eine wichtige Stütze. Ein Sanierungsberater hat Erfahrung in der Erstellung eines Sanierungskonzeptes und vor allem in der Führung von Verhandlungen mit Gläubigern. Er bringt nicht nur spezialisierte Expertise in Ihr Unternehmen, sondern er fungiert auch als Vermittler zwischen Ihnen und den Gläubigern, Gesellschaftern und Mitarbeitern.

Der Sanierungsberater als Vermittler

Auch wenn es schmerzt: Aber die Gläubiger und Mitarbeiter lasten einen Gutteil der Krise Ihnen persönlich an. Ihre Vorschläge zur Bewältigung der Krise werden daher naturgemäß mit Skepsis betrachtet.
Sie sind vielleicht gleichzeitig davon überzeugt, dass die Gläubiger (z.B. die Hausbank) und die Mitarbeiter (vielleicht durch eine zu geringe Leistungsbereitschaft) die Misere mitverursacht haben. Gegenseitige Schuldzuweisungen sind die Folge. Jede Seite unterstellt der anderen, dass sie nur ihre Schäfchen ins Trockene bringen will.
Das sind denkbar schlechte Voraussetzung für Verhandlungen und für die Umsetzung eines Sanierungskonzeptes. Hier kann der Sanierungsberater eine glaubwürdige Vermittlerrolle (Mediator) übernehmen. Ihm werden keine anderen Interessen als die der nachhaltigen Bestandssicherung des Unternehmens zugeschrieben.

Wie finde ich den richtigen Sanierungsberater?

Erkundigen Sie sich bei Ihrem Steuerberater, bei Ihrem Anwalt, bei befreundeten Firmen, in der Wirtschaftskammer. Führen Sie Gespräche mit mehreren Beratern und finden Sie den richtigen heraus. Stellen Sie Fragen:

  • Fragen Sie ihn, wie er vorgehen würde und achten Sie darauf, dass er die Umsetzung eines ganzheitlichen Konzeptes anbietet.
  • Fragen Sie ihn nach konkreten ähnlichen Fällen, bei denen er eine entsprechende Beratungsleistung erbracht hat, welche Problemstellung diese hatten und wie die Lösungen aussahen. Ein seriöser Berater wird Ihnen keine konkreten Firmen als Referenz nennen (außer dies ist mit dem Kunden abgesprochen) - schließlich wollen Sie ja auch nicht, dass Ihr Firmenname dann breit getreten wird.
  • Fragen Sie nach einem konkreten Leistungspaket und den damit verbundenen Kosten.

Vorsicht vor Interessenkollisionen!

Hat Sie Ihr Steuerberater beispielsweise jahrelang darin unterstützt, die Kennzahlen "schön zu schreiben", dann ist er kein geeigneter Ratgeber. Er wird Ihnen jemanden aus seinem persönlichen Freundeskreis empfehlen, der seine Position nicht ankratzt. Sie sollten im Gegenteil ernsthaft überlegen, den Steuerberater zu wechseln!

Wichtig ist vor allem, dass der Sanierungsmanager bisher nichts mit Ihrem Unternehmen zu tun hatte! Nur so ist er gegenüber Gläubigern und Mitarbeitern glaubwürdig. Andernfalls wird ihm eine Mitschuld an der Krise zugeschrieben und ihm die Verfolgung von Eigeninteressen unterstellt. Gerade der Wiederaufbau von Vertrauen ist jedoch eine wesentliche Aufgabe in dieser Phase.

Vorsicht vor unseriösen Angeboten!

Vor allem besteht die Gefahr, dass das Unternehmen mit einer falschen Wahl des Sanierungsberaters vom Regen in die Traufe kommt. Vorsicht bei reißerischen Angeboten zur Hilfe bei Insolvenzen in Zeitungsannouncen, insbesondere wenn Kredite ohne Bonitätsauskunft versprochen werden. In der letzten Verzweiflung werden oft solche Angebote als rettene Strohhalme empfunden. Sie sollten sich besser einen starken Pfeiler suchen, denn ein Strohhalm kann Sie mit Sicherheit nicht retten.

Und was ist mit der Chemie?

Natürlich müssen Sie mit dem Berater eine gute Gesprächsbasis aufbauen können. Aber: Er wird Ihnen in klaren Worten sagen, was von dem bisherigen Unternehmenskonzept fortgeführt werden kann, und wo eine Neuausrichtung bzw. wo Einschnitte notwendig sind.

Manches davon wird Sie persönlich - vielleicht sogar schwer - treffen. Aber letztlich entscheidtet Ihre persönlichen Lernfähigkeit und Ihre Fähigkeit, mit Kritik umzugehen, ob das Unternehmen auch noch in einem Jahr existieren wird.

Online seit: 28.07.2003

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