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AWS: Restrukturierung für KMU

AWS unterstützt KMU bei Restrukturierungsmaßnahmen durch die Übernahme von Haftungen. Interview mit Herrn Kugler, AWS.

Stichworte: Abschlagszahlung | Förderungen | Haftung | Sanierungsberatung | Sanierungskonzept

Herr Kugler, für welche Unternehmen ist diese Förderung gedacht?

Diese Förderung, die eigentlich in der Übernahme von Haftungen besteht, können KMU in Anspruch nehmen. Das sind also kleine und mittlere Unternehmen, die

  • weniger als 250 Mitarbeiter/ innen beschäftigen und entweder
  • maximal 40 Mio. Euro Umsatz haben oder
  • deren Bilanzsumme 27. Mio. Euro nicht übersteigt.

Unternehmen, die diese Kriterien erfüllen und einen Bedarf an Restrukturierung haben, können wir unterstützen.

Wie sieht diese Unterstützung aus?

Für Restrukturierung braucht man in der Regel frisches Kapital. Sei es, dass Investitionen getätigt werden, oder dass einfach der Geschäftsbetrieb aufrecht erhalten werden kann bis die geplanten Maßnahmen zu greifen beginnen. Für dieses frisch aufgenommene Kapital können wir Haftungen übernehmen.

Und wie sieht es mit bereits vorhandenen Schulden aus?

Für Altschulden können wir keine Haftung übernehmen. Auch dann nicht, wenn eine Umschuldung erfolgt.

In welcher Höhe erfolgt die Übernahme der Haftung?

In aller Regel übernimmt die AWS 80%, in manchem Fällen auch mehr. Erfolgt beispielsweise eine Kapitalzufuhr durch eine Beteiligung natürlicher Personen am Unternehmen, dann werden solche Beteiligungsbeträge im Rahmen der Eigenkapitalgarantie bis zu einer Höhe von Euro 20.000 auch zu 100% besichert, sofern sie nicht von nahen Verwandten eingebracht werden.

Wenn mein kleines oder mittleres Unternehmen nun in Schwierigkeiten gerät, dann kann ich diese Unterstützung in Anspruch nehmen?

Ja, allerdings sind noch einige Voraussetzungen zu beachten:

  • Uns muss ein Sanierungskonzept vorgelegt werden, das wir auf Plausibilität prüfen.
  • Es gibt eine Untergrenze, gemäß Richtlinien ist ein Finanzierungsbedarf von mindestens Euro 25.000 nötig.
  • Es handelt sich um eine Maßnahme, die langfristig orientierte Sanierungsmaßnahmen unterstützt. Wenn ich bereits ein akutes Zahlungsproblem habe, ist es für diese Maßnahme schon zu spät.

Wie muss dieses Sanierungskonzept aussehen?

Wir prüfen das Konzept hinsichtlich zweier Kriterien:

  1. Es muss das Bilanzbild so verbessert werden, dass zumindest kein negatives Eigenkapital mehr vorhanden ist. Idealerweise wird eine Eigenkapitalquote von 8% erreicht. Das kann erreicht werden, in dem mit wichtigen Gläubigern Forderungsnachlässe vereinbart werden oder durch das Zuführen von frischem Eigenkapital. Meist ist es eine Mischung von beidem. In der Restrukturierung sind die Fälle sehr individuell gelagert, hier kann nur jedes Unternehmen die für sich beste Lösung finden.
  2. Es muss ein betriebswirtschaftlich fundiertes Paket an Maßnahmen formuliert werden. Nur wenn deutlich herausgearbeitet wird, wie die Position des Unternehmens am Markt wieder nachhaltig stabilisiert wird, können wir eine Haftung übernehmen. Das betrifft zum Beispiel Fragen der Kostenstruktur oder des Marketing.

Kann das ein/e Kleinunternehmer/in selbst überhaupt schaffen?

Unserer Erfahrung nach geht das vor allem bei kleineren Unternehmen kaum. Die Unternehmer sind ja meist mit dem Tagesgeschäft schon voll ausgelastet. Außerdem braucht man für die Formulierung eines solchen Konzeptes nicht nur Zeit, sondern auch Erfahrung und Wissen, über das meist nur Berater verfügen. Auch die Verhandlungen mit den wichtigsten Gläubigern gestalten sich oft nicht einfach, also hier ist meist professionelles Know-how notwendig.

Bieten Sie Beratung für die Erstellung von Konzepten an?

Nein, wir prüfen nur die Konzepte auf Plausibilität. Jeder Fall ist individuell und wir können hier nicht die Aufgaben von Beratern übernehmen.

Wie ist das mit der Mindestgrenze von Euro 25.000?

Ja, unsere Richtlinien sehen einen Mindestfinanzierungsbedarf von Euro 25.000 vor. Es ist aber generell so, dass eine Restrukturierung für alle Beteiligten mit einem nicht geringen Aufwand verbunden ist.
Auf Seiten der Unternehmer wird es ohne einen Berater schwer möglich sein, ein fundiertes Konzept vorzulegen, das Chancen auf Bewilligung hat. Das kostet schon einiges an Geld und diese Ausgabe ist erst ab einer gewissen Größenordnung sinnvoll. Dieser Aufwand kann allerdings schon von uns gefördert werden.

Es zeigt sich auch immer wieder, dass die Bereitschaft der Banken, solche Restrukturierungsprojekte mit zu tragen, bei kleineren Beträgen eher gering ist. Kleinere Unternehmen mit einem geringeren Finanzierungsbedarf finden mit den Banken meist andere Lösungen, die auch mit einem geringeren Aufwand verbunden sind.

Wenn ich ein Konzept einreiche - wie lange dauert es, bis ich eine Entscheidung bekomme?

Wenn schon ein akuter Liquiditätsengpass besteht, handelt es sich nicht mehr um die geeignete Maßnahme. Man muss schon alleine vom Ablauf einige Monate einkalkulieren. Sie brauchen in aller Regel einen Berater und es erfordert einige Zeit einen Spezialisten zu finden. Der Berater muss sich in die Materie einarbeiten, ein Konzept entwickeln. Meist sind auch Verhandlungen mit den wichtigsten Gläubigern nötig, auch das braucht seine Zeit.

Unter drei Monate ist das kaum zu schaffen. Weitere vier bis sechs Wochen brauchen wir im Normalfall für die Bearbeitung.

Wie hoch ist die Quote an Ablehnungen?

Die liegt bei etwa 50%. Meist handelt es sich um Konzepte, die entweder

  • nicht von erfahrenen Beratern erstellt wurden, oder
  • die keine ausreichende Entschuldung vorsehen, oder
  • die zwar eine positive Eigenkapitalquote geschafft haben, aber keine plausiblen Konzepte für die Stabilisierung des Unternehmens am Markt erarbeitet haben. Denn eines ist klar: entschulden und weitermachen wie bisher ist meist zuwenig.

Welche Probleme begegnen Ihnen häufig?

Leider gibt es noch immer viel zu viele Unternehmer, die nicht ausreichend über die wirtschaftliche Situation ihres Unternehmens am Laufenden sind. Gerade viele Kleinstunternehmer sprechen einmal im Jahr mit ihrem Steuerberater und das oft erst in der zweiten Jahreshälfte. Dadurch sind sie oft nicht am aktuellen Stand und sehen gar nicht, wie hoch sie eigentlich schon verschuldet sind. Sie achten dann nur auf das Tagesgeschäft und versuchen, kurzfristig zu Liquidität zu kommen. Dabei merken sie nicht, dass die gesamte Finanzierungsstruktur schon seit längerer Zeit eine kräftige Schieflage hat. Dann können wir nicht mehr helfen.

Das Restrukturierungsprogramm ist auf langfristige Sanierung und strategische Neupositionierung ausgerichtet. Die Unternehmer selbst erkennen häufig den Zeitpunkt nicht, an dem bereits Maßnahmen notwendig wären. Oft sind es die Banken, die viel früher erkennen, dass hier ein Bedarf besteht. Die meisten Kontakte zu uns entstehen auch über Banken oder externe Berater.

Herr Kugler, AWS steht für Austria Wirtschafts Service. Um welche Einrichtung handelt es sich dabei?

Die FGG (Finanzierungsgarantiegesellschaft) und BÜRGES ist vielleicht manchen noch ein Begriff. Diese zwei Einrichtungen wurden im Oktober 2000 zur AWS fusioniert. In weiterer Folge wurde auch die Innovationsagentur eingegliedert - der ERP Fonds bleibt rechtlich eigenständig, wurde aber ebenfalls mit der AWS verschränkt. Die AWS ist eine Spezialbank für Förderungen in Österreich und zu 100% im Besitz der Republik Österreich.

Herr Kugler, wir danken für das Interview!

Weitere Informationen zum Restrukturierungsprogramm finden Sie auf der Homepage der Austria Wirtschafts Service

Online seit: 21.10.2003

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