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Viele Paare stellen sich nicht nur der Herausforderung einer privaten Beziehung, sondern arbeiten auch miteinander im gemeinsamen Betrieb ? eine Konstellation, die nicht immer reibungslos ist.
Wir nehmen in unserem Leben verschiedene Rollen ein, in denen wir Verantwortung tragen. Wir sind Ehe- oder Lebenspartner, Vater oder Mutter, Geliebter oder Geliebte. Beim gemeinsamen Arbeiten im Unternehmen kommen weitere Rollen dazu, nämlich jene des Chefs/ der Chefin bzw. allgemein der Führungskraft. Hier kann es leicht zu Rollenkonflikten kommen.
Besondere Rollenkonflikte entstehen wenn die Rollen Chef/Chefin, mit Ehe-/Lebenspartner vermischt bzw. von einem Bereich in den anderen getragen werden. Häufig ist diese Vermischung nicht bewusst und kommt erst zum Vorschein, wenn sich einer der Partner unwohl fühlt. Diese ersten Anzeichen von unangenehmen Gefühlen werden dann vielfach ignoriert. Man will ja nicht zimperlich sein! Dabei wären das schon wichtige Warnsignale, die eine Klärung notwendig machen.
Berufs- und Privatleben geraten außer Balance. In all den Jahren meiner Arbeit mit Familienbetrieben und auch bei mir selbst habe ich festgestellt, dass Männer viel mehr Energie und Freude dran haben, das Thema Firma als ihr Hobby zu erklären und - wenn es sein soll - Tag und Nacht darüber zu reden. Viele Frauen haben nach einer intensiven Firmenzeit häufig das Bedürfnis auch mal etwas auszuspannen, das Thema zu wechseln. Vielleicht manches Mal mit einem völlig unangebrachten schlechten Gewissen.
Gerade in diesem Fall ist es wichtig auf seine eigenen Bedürfnisse zu achten und sie klar mit dem Partner abzusprechen. Zu leicht entstehen Missverständnisse. Außerdem genießt sich die Zeit auch besser wenn man dem Partner klar und deutlich sagt, ich brauche jetzt Abstand. Was hätte er/sie davon, wenn Sie irgendwann völlig erschöpft mit Burn out am Boden liegen?
Es gibt eine Unzahl von verschiedenartigen Konflikten, die aus nicht geklärten Rollen entstehen können. Häufig sind es auch Wertigkeits-Konflikte. Wer ist jetzt mehr wert, die Firma oder ich. Gerade diese Konflikte sind sehr mühsam, weil es um Aufmerksamkeit und Zuwendung geht. Wenn sich ein Partner zurückgesetzt fühlt, dann findet er sicher hundert Varianten um sich bemerkbar zu machen und sich Aufmerksamkeit zu organisieren. Meist sind das für den anderen dann nicht immer die angenehmsten Situationen. Für eine Frau ist es oft sehr wichtig einfach in die Arme genommen zu werden um sich geliebt zu fühlen. (Nicht unbedingt vor den Angestellten). Männer können sich oft auch gut über Diskussionen und Fachgespräche erwünscht und verstanden fühlen.
Sehr häufig äußern sich eine Vermischung der Rollen und sich daraus ergebende Konflikte auch in Störungen des Sexuallebens. Die Lust und Häufigkeit nimmt ab. Es ist schwierig und erfordert einiges an Übung, die Tür zum Büro zuzumachen, die unterschiedlichen Diskussionsstoffe dort zu lassen und daheim den Geliebten zu sehen. Für diese Fälle gibt es verschiedene mentale Techniken, wie z. B. Firmenprobleme in eine Schachtel packen, die in unseren Seminaren gelernt und geübt werden.
Ob Kosenamen in der Firma, vor der Belegschaft oder vorm Kunden, beim Partner gut ankommen, sollte auf jeden Fall vorher geklärt werden. Es ist wohl nicht jedermanns Schache, obwohl bestimmte ?Mausis? mittlerweile auch sehr bekannt geworden sind. Ich persönlich mag es nicht.
Eine schwerwiegende Grenzüberschreitung ist aber auf jeden Fall, den Partner vor Mitarbeiter/innen zu tadeln oder zu kritisieren. Geben Sie Feedback hinter verschlossenen Türen. Meine Erfahrung ist, dass sich Unstimmigkeiten innerhalb des Paares immer auch auf die Mitarbeiter auswirken. Mitarbeiter haben wunderbar feine Sensoren für diese Dinge. Gleiches gilt natürlich für Kunden. Deshalb klären sie verschiedene Meinungen immer unter sich.
Besonders ein heikles Thema ist auch, wenn jemand über den Partner eine scheinbar nebensächliche abwertende Bemerkung bei einem Kunden oder Mitarbeiter fallen lässt. Und sei diese Anspielung auch noch so klein, sie tun sich selbst und ihrem Partner nichts Gutes damit. Auch wenn Sie sich ärgern, klären Sie diesen Ärger mit der Person dort, wo er hingehört.
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Online seit: 30.05.2005


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