Stichworte: Branchen: Handel | Erfahrungsberichte | Finanzierung | Zielgruppe
Plötzlich war das Lokal da, ich kann gar nicht mehr so genau sagen, wie es dazu gekommen ist. Ich hatte meinen Bekannten und Freunden von meinen Plänen erzählt. Irgendwer hatte uns von dem Lokal erzählt, da haben wir uns gedacht, machen wir es doch sozusagen gleich richtig. Das hat sich einfach so ergeben, es war eine Gelegenheit. Und wir haben aber noch gar nicht genau geschaut, wie das mit einem Lokal zu verwirklichen wäre, was das heisst. Wir hatten die Örtlichkeit, aber noch keine Firmenstruktur.
Die Vertretungsgeschichte hätte ich auch von zu Hause aus aufziehen können. Und natürlich mit wesentlich geringeren Kosten. Im Grund hätte ein kleines Zimmer, ein Schreibtisch, Telefon und Telefax genügt. Und natürlich sich ins Auto setzen und fahren, das Produkt bewerben. Das hätte für den Anfang auch gereicht. Aber nun hatten wir schon das Lokal, also haben wir auch gleich ein großes Eröffnungsfest gemacht. Der ORF war da, der Generalkonsul sowieso, also da haben wir auch investiert. Die Schwierigkeiten haben in Wahrheit schon damals angefangen. Rückblickend weiss ich, dass das Pferd von der verkehrten Seite aufgezäumt war.
Mir fehlte unternehmerische Erfahrung, das wurde mir bald bewusst. Ich kannte mich zwar in der Branche aus, aber das genügt nicht. Also brauchts was. Ich hab mich dann informiert bei der Wirtschaftskammer, bin zu einem Seminar gegangen mit anderen Jungunternehmern zum Erfahrungsaustausch. Ich wollte wissen, wie machen die das? Hab ich gesehen, aha, schlecht wär es nicht wenn man Eigenkapital hätte. Hatten wir natürlich nicht. Wir hatten zwar beide gut verdient und waren schuldenfrei. Wir hatten erst zwei Jahre vor der Gründung geheiratet und in die gemeinsame Wohnung investiert. Inzwischen war unser erstes Kind auf der Welt, also das war nicht die Zeit in der man sich Geld erspart.
Mein Startkapital bestand aus Krediten, insgesamt hatten wir ca. 450.000 Schilling investiert. Die Renovierung des Lokals, der Ankauf von Schaustücken, das Eröffnungsfest, so ist das immer mehr und mehr geworden. Es war alles kreditfinanziert, zum Teil geförderte BÜRGES-Kredite. Bekannte hatten mir entsprechende Kontakte bei einer Bank vermittelt, gebürgt hat meine Frau. Und dazu hatte ich ein Geschäftskonto, das beim Start auf Null stand.
Uii, hab ich mir gedacht, vielleicht ist mir das eine Nummer zu groß. Diese Seminare und Informationsveranstaltungen haben mir schon gezeigt, dass ich ein ziemlich hohes Risiko eingegangen bin und dass ich ganz ohne Sicherheitsnetz arbeite. Langsam hab ich es mit der Angst zu tun bekommen.
Kap. 1: Falscher Beruf oder schlechtes Karma?
Kap. 2: Das Pferd von der verkehrten Seite aufgezäumt
Kap. 3: Wie erreichen Sie Ihre Zielgruppe?
Kap. 4: Die Fixkosten drücken immer mehr
Kap. 5: Wieder selbständig?
Online seit: 31.12.2003


Wie Selbständige Ziele realistisch definieren, Chancen erkennen und Probleme aktiv lösen