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Das Geschäft hat Fixkosten gebracht. Also der eigentliche Ansatz, die Möbel, die haben nichts gebracht. Und finanziell ist es enger geworden und enger. Ich war viel unterwegs und das bedeutet, nicht im Geschäft zu sein, keine Laufkundschaft betreuen können. Zuerst war meine Frau drin solange sie in Karenz war. Aber die hat dann gesagt, ich geh besser arbeiten, sonst wird es uns zu eng. Sie hat eigentlich schon die Notbremse gezogen. Das heisst, ich hatte dann ein Geschäft, das selten besetzt war, für das ich aber Miete bezahlt habe.
Ich kann mich an Tage erinnern an denen ich im Geschäft gesessen bin und mich gefragt habe, spinne ich, was tu ich da? Ich hatte zwar mein Faxgerät, Telefon und Kaffeemaschine im Geschäft wenn ich nicht unterwegs war, aber es kommt den ganzen Tag kein Kunde rein, kein Schwein. Ich weiss nicht mehr was ich tun soll, ich hab mich zwar bemüht, aber irgendwann hast den Punkt wo du siehst, oh das geht nicht mehr. Ich würde so etwas nur mehr in einem Team machen, da kommen mehr Ideen rein.
Im ersten halben Jahr ist es nur bergab gegangen, im zweiten halben Jahr ist es langsam bergauf gegangen, es ist sich aber noch immer nicht ausgegangen. Im dritten halben Jahr war es in etwa ausgeglichen, aber da hab ich noch nicht selber davon gelebt, das hat nur die Kosten der Firma gedeckt. Ich hab daher immer das Geschäftskonto plündern müssen und dann haben wir mit dem Berater gesprochen, was tun wir jetzt? Da haben wir gesagt, wir lösen das Geschäft auf und werden das auf einer anderen Basis weiter machen.
Die Bank ist zu dieser Zeit auch schon nervös geworden und ich selbst war auch schon ziemlich mutlos. Aber damals kam auch die Bank und die hat gemeint, irgendwas müssen wir tun. Der Schuldenstand war innerhalb von zwei Jahren auf ca. 1 Mio. Schilling angewachsen, inzwischen bürgte auch mein Bruder für mich. Das gravierendste war wohl, dass meine Betreuerin in eine andere Filiale gewechselt hat. Bis heute habe ich das Gefühl, dass sie das Kind, das sie damals auch mit aus der Taufe gehoben hat, nämlich meine Firma, weggelegt hat. Ich hatte einen neuen Betreuer und dem war das offensichtlich zu heiss und der hat dann gleich einmal schärfer angesetzt. Also wir hatten einen Plan, weg mit den Fixkosten, weg mit dem Geschäft, weil der Rest hatte ja Aussicht auf Erfolg.
Ich hab den Druck damals schon nicht mehr ausgehalten. Es hätte jederzeit die Chance gegeben, Dinge anders zu machen, aber ich war dafür schon zu mutlos. Ich hatte keine Selbstbewußtsein mehr und hatte mich geschämt. Da geh ich lieber arbeiten, hab ich mir gedacht, und auch Kontakt zu einem früheren Arbeitgeber aufgenommen. Und das hab ich beim Bankgespräch auch gesagt, dass ich hier eine Option hätte. Und da haben die gemerkt, aha, eh Option, und haben den Kredit dann sofort fällig gestellt. Das war das erste Bankgespräch mit dem neuen Betreuer und das hat damit geendet, dass der Kredit fällig gestellt wurde, das war 1995.
Also zurück in ein Angestelltenverhältnis. Die Bank hat dann gleich eine monatliche Rückzahlungsrate von 20.000 Schilling verlangt, das konnten wir nach ein paar Monaten auf 15.000 reduzieren. Es wurde natürlich alles umgeschuldet, auch die BÜRGES-Kredite und die Zinsen waren gleich einmal ca. doppelt so hoch wie davor. Eigentlich durchblick ich bis heute nicht genau, was da vor sich gegangen ist. Aber ich war in einer viel zu defensiven Position um da einmal genauer nach zu fragen, was und wie rechnet die Bank da eigentlich genau? Das ist dann alles ziemlich schnell gegangen und da ist bis heute ein eigenartiger Nachgeschmack geblieben.
Kap. 1: Falscher Beruf oder schlechtes Karma?
Kap. 2: Das Pferd von der verkehrten Seite aufgezäumt
Kap. 3: Wie erreichen Sie Ihre Zielgruppe?
Kap. 4: Die Fixkosten drücken immer mehr
Kap. 5: Wieder selbständig?
Online seit: 31.12.2003


Wie Selbständige Ziele realistisch definieren, Chancen erkennen und Probleme aktiv lösen