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Der Fall Lugner: kein Ruhmesblatt

Alle Welt scheint zu interessieren, ob Mausi Lugner auch in Zukunft auf Shopping-Tour gehen kann. Geht es wirklich darum?

Stichworte: Branchen: Bauwirtschaft | Krisen-PR | Pressearbeit

Warum interessiert uns Lugner?

Richard Lugner hat schon immer die Nation gespalten und - womit wir nie gerechnet haben - er wurde ein Fall für www.unternehmer-in-not.at. Sie denken jetzt, naja, so sehr scheint er ja nicht in Not zu sein. Aber uns interessiert ein anderer Aspekt. Doch der Reihe nach.

Kein Ruhmesblatt für Lugner

Aufmerksame Leser/innen dieser Plattform wissen inzwischen, dass die Fähigkeit zum Umgang mit Krisen eine der wichtigsten Unternehmereigenschaften ist. Das Beispiel Richard Lugner hat uns gezeigt:

  • welche Auswirkungen schlechte Krisen-PR hat;
  • wie man öffentlichkeitswirksam untertaucht und den Kopf in den Sand steckt;
  • wie wichtig gute Beratung in der Krise ist;
  • dass Gläubigern kaum zu vermitteln ist, warum sie auf ihr Geld verzichten sollen während - sehr medienwirskam - ein durchaus luxuriöser Lebensstil vermittelt wird.

Der Fall Lugner und die Medien

Medien leben nun einmal von Schlagzeilen. Der Fall Lugner passt hier natürlich gut ins Bild. Und je größer Zahlen, umso besser. Also haben sie Listen von Gläubigern angelegt und die Schulden zusammengezählt. Der größte Brocken wie meist bei den Banken.

  • Irgendwo kommt dann auch eine kleine Kategorie (angeblich bescheidene 3 Mio. Euro) Lieferantenkredite vor. Es scheint niemanden zu beschäftigen, wieviele kleine Gewerbetreibende mit ihren Existenzen sich dahinter verbergen.
  • Ach ja, und dann kommt laut Medienberichten noch die bescheidene Summe von ca. 700.000 Euro für Löhne, Abfertigungen etc. Hat einmal jemand nachgerechnet, wie lange Menschen, die in der Bauwirtschaft arbeiten, von 700.000 Euro leben? Aber was ist das schon im Vergleich zu den kolportierten ca. 27 Mio. Euro?

Stattdessen werden genussvoll die Szenarien des Abstiegs von Richard Lugner ausgebreitet. Es ist ja auch viel spannender, ob Lugner auf den nächsten Opernball wieder einen Promi einladen wird, ob Mausi auch noch in Zukunft Edel-Boutiquen leerkaufen kann und ob Familie Lugner weiter in der soap über den Bildschirm flimmert.

Häme am falschen Platz

Durchforstet man Diskussionsforen im Internet, dann liest man viel Häme und Schadenfreude. Manche scheinen fast enttäuscht, wenn Lugner den Konkurs abwenden kann. Dass ein Konkurs gerade in diesem Fall wohl nicht das finanzielle Ende für Richard Lugner bedeutet (hätte), sondern seine Gläubiger und uns alle als Steuerzahler/innen maximal schädigt, scheint dann nebensächlich. Hauptsache, der Großkopferte liegt am Boden.

Spekulationen, Sympathie, Antipathie

Wenn überhaupt jemand genau weiss, was in den letzten Wochen und Monaten vor sich gegangen ist, dann höchstens Richard Lugner selbst. Wir wollen uns daher keinerlei Spekulationen oder Mutmaßungen über die tatsächlichen Vermögensverhältnisse oder Absichten von Richard Lugner anschließen.

Wir wollen hier auch nicht über Sympathie oder Antipathie diskutieren, denn es geht um mehr als um das Luxusleben einer Person oder einer Familie. Es geht um Menschen und Existenzen, die mit in den Strudel hineingezogen werden. Leider sind sie keine Schlagzeile wert.

Online seit: 02.12.2003

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