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Einen Berater der coacht oder so, habt Ihr sowas? hab ich bei der Wirtschaftskammer gefragt. Und tatsächlich, die hatten. Nur zu diesem Zeitpunkt standen bereits einige Eckpunkte fest. Nämlich der Vertretervertrag, dass ich ein sehr exklusives Produkt haben werde, dass ich einen Schauraum haben werde für den ich Miete zahlen werde und dass ich kein Eigenkapital habe. Das war also fix und eigentlich erledigt.
Damit kam ich zu meinem Berater und sag ihm, ich bin jetzt Generalvertreter für diese Sache und möchte als zweites Standbein auch direkt Laufkundschaft werben. Ich hab mir Stoffe zugelegt, mit meiner Frau auch gemeinsam ein Taschenprogramm entwickelt, also so ein bisschen Design. Aber der Schwerpunkt hätte die Einrichtungsberatung sein sollen. Und mein Berater hat sich das angeschaut und gesagt, sie haben sich da ein schwieriges Feld ausgesucht. Sie haben da ein sehr exklusives Produkt und wie wollen sie das an den Mann bringen?
Im ersten Moment war ich von diesem Satz geschockt. War aber nur kurz geschockt. Ich hab mir gedacht, ist ja kein Problem, ich kenn ja die Branche, ich kenn die Leute, ich werde mich ins Auto setzen und mein Produkt bewerben wie ein Wilder. Das hab ich auch sehr intensiv gemacht, ich war viel unterwegs und habe wirklich getan, was man so machen kann. Ich hab exklusive Firmen gesucht und dort präsentiert. Ja super, haben sie gesagt, nehmen wir auf ins Programm. Zum Teil haben Sie mich auch auf Messen mit ausgestellt.
Aber es kam einfach nichts zurück. Es war so exklusiv, dass die Preise schon abgeschreckt haben und die Kontakte zu den wirklich Vermögenden habe ich nicht gehabt. Bevor ich heute sowas anfangen würde, würde ich wirklich die Zielgruppe abfragen. Würden sie so etwas kaufen? Die Firmen im vorhinein suchen und überprüfen, wie oft können sie so ein Produkt verkaufen. Wenn ich das alles auf Kommission nehm und es nicht bei mir ins Geschäft stelle sondern bei meinen vielversprechendsten Kunden einmal ein halbes Jahr hinstelle, weiss ich viel besser, wie gut es angenommen wird. Und wenn es ankommt, dann machen wir was und nicht schon vorher. Einfach viel stärker und viel genauer abchecken, dann weiss ich viel genauer, womit ich rechnen kann.
Am Anfang wollte ich das nicht wahrhaben. Ich war von dem Produkt so überzeugt und wollte nicht sehen, dass es mir einfach nicht den notwendigen Umsatz bringt. Weil es gab schon so Rechnungsaufstellungen, wieviel Provision werde ich machen müssen. Und wie das abzusehen war, haben wir mit dem Berater das auch besprochen. Wir sind dorthin gekommen, dass ich noch andere Produkte aufnehme. Wenn ich schon unterwegs bin, kann ich so kleinere Produktgruppen auch bewerben. Das waren vor allem so Accessoires aus Aluminium, Korkenzieher zum Beispiel. Ich hab auch noch die Vertretung von englischen Stoffen dazu genommen.
Das hat dann gut funktioniert, also dieser Kleinkram hat sich ganz gut verkauft. Das hätte wahrscheinlich sogar gereicht, wenn da nicht das Geschäftslokal gewesen wär.
Kap. 1: Falscher Beruf oder schlechtes Karma?
Kap. 2: Das Pferd von der verkehrten Seite aufgezäumt
Kap. 3: Wie erreichen Sie Ihre Zielgruppe?
Kap. 4: Die Fixkosten drücken immer mehr
Kap. 5: Wieder selbständig?
Online seit: 31.12.2003


Wie Selbständige Ziele realistisch definieren, Chancen erkennen und Probleme aktiv lösen