Leben mit der Krise
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Von der Beziehungskrise in die Existenzkrise

>> Der zweite große Kunde will überraschend abspringen

Michaela will sich an die Arbeit machen und die unternehmerische Schieflage wieder korrigieren. Da kommt der zweite große Rückschlag und bald darauf ist der Alltag von Rechtsstreit

Stichworte: Branchen: Handel | Erfahrungsberichte | Familienbetrieb | Geschäftsführer GmbH | Privatkonkurs

Inzwischen war das Unternehmen schon voll in der Krise und ich überlegte, wie ich das alles jetzt wieder in den Griff bekomme. Er hat mich natürlich sofort beim Arbeitsgericht verklagt, also das kam auch noch dazu. Ich dachte schon, damit hätte ich das Schlimmste hinter mir, aber dann hat der zweite von den drei großen Kunden plötzlich verlangt, einen geschlossenen Vertrag für nichtig zu erklären. Da ging es auch wieder um eine Riesensumme und wir hatten schon Leistungen erbracht und erheblich vorfinanziert. Der Kunde meinte, es handle sich um einen Scheinvertrag und verlangte, dass wir sämtliche Arbeiten sofort einstellen. Ich war fassungslos und verstand es auch nicht. Wir hatten mit diesem Kunden bis dahin eine sehr gute Zusammenarbeit und schon einige Projekte erfolgreich für ihn abgewickelt.

Die Mediatoren und die Rechtsanwälte verdienten damals gut an uns. In unendlich vielen Mediationsgesprächen und mit Rechtsanwälten habe ich versucht, eine einvernehmliche Lösung zu finden, aber keine Chance. Ich war auch verblüfft, denn der Kunde wusste ausgezeichnet über unsere Interna Bescheid. Und siehe da, es stellte sich heraus, dass mein Ex-Freund inzwischen bei diesem Kunden beschäftigt war! Letztlich musste ich den Kunden klagen, ein Gutachten ergab das nächste. Da vergehen Monate in denen kein Geld reinkommt. Im Gegenteil, für diese Rechtsstreitigkeiten geht nicht nur jede Menge Geld drauf, sondern auch Nerven und Zeit.

Daneben hatte ich jede Menge kleinerer Baustellen, er hatte mich nicht nur beim Arbeitsgericht geklagt, sondern auch noch bei der Staatsanwaltschaft angezeigt. Ich wurde eingedeckt mit absurdesten Anzeigen, zum Teil direkt von ihm, zum Teil von seinen Freunden. Bis Mitte 2003 hatte ich nichts anderes zu tun, als mich mit Rechtsanwälten zu treffen, Gutachten einzuholen, Gerichtstermine wahr zu nehmen. Es war der absolute Wahnsinn und die Unternehmensgruppe lag mittlerweile schon in den letzten Zügen. Wenn zwei von drei großen Kunden verloren sind, dann sieht es schon ziemlich trist aus.

Ich hatte auch noch Unternehmensberater ins Haus geholt, um das Ruder noch einmal herum zu reissen. Aber es war unter diesen Rahmenbedingungen aussichtslos. Für die Akquisition und Kundenbetreuung hatte ich keinen geeigneten Ersatz gefunden, außerdem ist die Branche klein. Als ich die Kunden klagte war mir schon klar, dass ich mich damit auch aus dem Geschäft kicke. Das war einfach eine schlimme Negativpublicity, aber ich befand mich in einer Doppelmühle ? egal was ich tat, es war ein Schaden.

Mir war klar, dass ich am österreichischen Markt erledigt war und versuchte, mir neue Märkte im Ausland aufzumachen. Das Problem ist, dass eine Sanierung einfach Zeit braucht. Da gab es einige Hoffnungsschimmer, aber es war ein Wettlauf mit der Zeit und der war fatal. Ich hatte noch kurz versucht umzuschulden, aber es gab keine Sicherheiten mehr und nur Kunden, die nicht bezahlen wollten. Das ist jeder Bank zu wild.

Weiterlesen:

Kap. 1: Von der Beziehungskrise in die Existenzkrise

Kap. 2: Hohe Umsätze, wenige Kunden

Kap. 3: Beziehungsende und erste Konflikte mit Kunden

Kap. 4: Der zweite große Kunde will überraschend abspringen

Kap. 5: Game over - zu pleite für den Konkurs?

Kap. 6: Schadensbegrenzung zum Teil gelungen

Online seit: 22.02.2006

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