Stichworte: Branchen: Handel | Erfahrungsberichte | Familienbetrieb | Geschäftsführer GmbH | Privatkonkurs
Ab einem bestimmten Moment kann man nur mehr den Schaden begrenzen und das hab ich nur zum Teil geschafft. Ich konnte nur mehr meinen persönlichen Schaden begrenzen. In diesen Jahren sind meine Kinder durch die Pubertät gegangen und erwachsen geworden. Wenn ich daran denke, was für eine kritische Phase das ist! Da hätte soviel schief gehen können und das wäre es alles nicht wert gewesen. Ich habe auch den Rat befolgt und mir Zeit genommen, eine Trauerphase eingelegt. Da ist schon viel Energie von mir reingeflossen und die Enttäuschung muss einmal verarbeitet werden. Ich habe auch überlegt, ob Unternehmerin für mich wirklich das Richtige ist. Und dann ist für mich der Privatkonkurs dazugekommen, ich hatte ja für alles gehaftet.
Mit dieser Krise habe ich mich persönlich stark weiter entwickelt, ich bin krisenresistenter geworden. Ich lasse ich mich nicht mehr so stark von irrationalen Ängsten leiten. Wenn ich vor einer Situation stehe, schaue ich mir die viel analytischer an und überlege mir, was ist der schlimmste Fall? Ich habe auch gesehen, dass sie einem fast alles wegnehmen können, das Haus, das Auto, die Lebensversicherung, die Firma. Aber das, was einen Menschen letztlich als Unternehmer ausmacht, das bleibt einem erhalten: nämlich die Ideen und die Innovationskraft.
Etwas was ich lernen musste ist, wie wichtig es ist, entschlossen zu handeln. Da habe ich sehr viel falsch gemacht, einfach aus einer diffusen Hoffnung heraus. Ganz schlimm ist diese Passivität, in die man dann verfällt. Plötzlich handelt jeder, nur man selber ist nicht mehr in der Lage dazu. Ich kannte das von mir nicht, ich war bis dahin gewohnt, kühl zu rechnen und aktiv zu agieren. Tatsächlich hätte ich Entscheidungen viel früher treffen und auch wirklich durchziehen müssen. Ich hätte auch viel früher Mitarbeiter entlassen müssen, das ist mir besonders schwer gefallen. Vielleicht ist das auch eine Frauensache, aber ich hatte eine emotionale Beziehung zu diesen Menschen aufgebaut und ich wusste, dass sie auf das Einkommen angewiesen waren.
Was mir sehr geholfen hat war, dass ich noch immer ein funktionierendes soziales Umfeld hatte. Ich hatte immer mir wohlgesonnene Partner und befreundete Unternehmen. Ich wusste, ich habe Anschlussmöglichkeiten. Ich hab mich also nicht in die totale Isolation verkrochen. Einige Male war ich schon auch an dem Punkt wo ich dachte ich kann nicht mehr, ich halte das nicht mehr aus. Wenn man da ganz alleine ist, ich finde das unsagbar gefährlich.
In der Erwachsenenbildung hatte ich schon Erfahrung und ich bin zu dem Schluss gekommen, dass ich da weiterarbeiten will. Unternehmerisch zu arbeiten ist für mich schon das Richtige, aber es war klar, dass ich da jetzt einmal kleinere Brötchen backen muss. Also habe ich nach entsprechenden Kooperationen gesucht und die habe ich auch gefunden. Inzwischen habe ich geheiratet und wir bekommen demnächst unser zweites Kind. Natürlich ist es finanziell eng, aber ich kann mir heute wieder die eine oder andere Annehmlichkeit leisten. Nach langen Jahren stimmt inzwischen meine Lebensqualität wieder.
Kap. 1: Von der Beziehungskrise in die Existenzkrise
Kap. 2: Hohe Umsätze, wenige Kunden
Kap. 3: Beziehungsende und erste Konflikte mit Kunden
Kap. 4: Der zweite große Kunde will überraschend abspringen
Kap. 5: Game over - zu pleite für den Konkurs?
Kap. 6: Schadensbegrenzung zum Teil gelungen
Online seit: 22.02.2006


Konkurs- und Ausgleichsrecht, Haftungen, Besteuerung, Rechnungslegung, Praxisbeispiele
Überlebenshandbuch für Selbständige und Jungunternehmer
Haftung des Geschäftsführers, der Gesellschaft und der Gesellschafter der GmbH