Leben mit der Krise
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Alles auf eine Karte gesetzt

>> Ein kranker Bruder

1993: Herberts Bruder wird schwer krank, damit ist das gesamte Konzept gefährdet. Herbert entschließt sich, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen

Stichworte: Branchen: EDV, IKT | Controlling | Erfahrungsberichte | Familienbetrieb | Teamgründung

Erste Probleme zwischen mir und meinem Bruder haben damals angefangen, weil er seine Arbeit kaum dokumentiert hat. Ich war aus der Industrie gewohnt, dass so etwas gemacht wird, aber er hat mich immer vertröstet. Und das war dann im Endeffekt auch ein Teil unseres Scheiterns denn mein Bruder wurde schwer krank und ich hätt nicht einmal die Möglichkeit gehabt jemanden zu nehmen, der daran arbeiten hätt können. Weil außer ihm sich niemand ausgekannt hätt und lange Einarbeitungszeiten notwendig gewesen wären.

Alles Geld, das wir noch hatten, haben wir noch in Inserate gesteckt, das war so 92/ 93. Wir hatten die ersten Anfragen, aber mein Bruder bekam schon keine Luft mehr und hatte bereits überall Wasser. Er ist endgültig zusammengebrochen. Wie weit jetzt dieses Zusammenbrechen parallel gelaufen ist mit der Verantwortung, die auf ihm gelastet ist, das weiss ich nicht.

Das Programm ist eigentlich gut gelaufen, es hatte noch kleine Bucks, und bei unserem Freund war das unproblematisch, wenn was aufgetaucht ist, wurde es halt behoben. Aber die weiteren Anfragen kamen eher aus Westösterreich. Wenn das in Tirol nicht funktioniert und du musst immer rausfahren, das frisst dir innerhalb kürzester Zeit die Einnahmen weg. Vielleicht war das der letzte Kick der ihn kollabieren hat lassen körperlich.

Er ist zusammengefallen wie ein Kartenhaus. Und er ist im Grunde für eineinhalb Jahre ausgefallen. Er war so schwer krank, dass er es nur mit knapper Not überlebt hat und da war klar, dass wir die Software vergessen können. Was wir ja anbieten wollten, war ein Gesamtpaket, also nicht nur die Software, sondern eine Komplettinstallation und damit hab ich mich parallel um Hardware schon gekümmert. Aber das war eher dazu gedacht, im Markt zu bleiben damit wir dann eben beim Kunden das volle Paket anbieten können.

Ich hab überlegt, wie ich das ganze am Laufen halten kann weil wirkliche Einnahmen hat es keine gegeben, aber Ausgaben. Und meine Geldvorräte waren in der Zwischenzeit leer. Ich hab aus der Firma nichts entnommen in dieser Zeit, gekostet hab ich die Sozialversicherungsbeiträge. Gelebt hab ich von meiner Frau.

Weiterlesen:

Kap. 1: Alles auf eine Karte gesetzt

Kap. 2: Ein kranker Bruder

Kap. 3: ... und dann setzte ich alles auf eine Karte

Kap. 4: Ein Freund - der rettende Strohhalm?

Kap. 5: Der erste Schritt zurück in den Arbeitsmarkt

Kap. 6: Was kommt zuerst - das Produkt oder die Verwaltung?

Kap. 7: Mut zur Ehrlichkeit

Online seit: 28.07.2003

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