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Ich hatte ausserdem 500.000 Schilling investiert, also der Spaß hatte mich über zwei Millionen Schilling gekostet. Ich hab von der Bank keinen Kreditrahmen mehr gehabt, ich hab keine Ware mehr einkaufen können. Nach dieser Krise hätt ich Geld gebraucht um ein neues Geschäft hochzuziehen und drum ist auch gar nichts anderes übrig geblieben, wie mir einen Job zu suchen.
Ein ehemaliger Vorgesetzter von mir ist dann an mich herangetreten, aus der Kunststoffbranche. Ich sollte mit ihm den Österreichvertrieb für eine internationale Firma aufzubauen. Das war dann aber schon wieder auf Angestelltenbasis. Mit dem Gehalt, das ich dort bekommen habe, hab ich begonnen, die Schulden zurück zu zahlen.
Der Job hat nur kurz gedauert, die deutsche Konzernmutter hatte einfach zu hohe Erwartungen und dann bin ich in die Arbeitslose. Die Arbeitslose war weniger als meine monatliche Kreditrate. Ich hatte einen hohen Druck, so schnell wie möglich wieder einen Job zu finden. Das Problem war, dass in der Kunststoffindustrie der österreichische Markt konstant schrumpft, das wird alles nach Osteuropa ausgelagert. Und für die EDV-Hardware hab ich keine Ausbildung und keine Referenzen, weil das einzige was ich vorweisen konnte, war eine nicht funktionierende Firma. Heute bin ich Fahrlehrer und ich musste mir dann die Umschulung in meinen jetzigen Beruf noch selbst finanzieren
Den Gewerbeschein hab ich behalten, weil ich für die gelieferten PCs Garantieleistungen bei dieser großen Bude unterschrieben hatte. Dadurch konnte ich die Zinsen und die ganzen Bankkosten bei der Steuer gegenverrechnen, sonst hätt ich es eh nicht gepackt. Bis ich dann eine gewisse Schwelle unterschritten hatte, meine Garantieverpflichtungen ausgelaufen sind, dann hab ich den Gewerbeschein stillgelegt. Aber mit der Übereinkunft mit dem Finanzamt, solange das Kreditkonto nicht abgedient ist, kann ich weiterhin die Kosten für den Kredit gegenverrechnen.
Dadurch ist es mir auch gelungen, nicht Konkurs anmelden zu müssen. Hätt ich in Konkurs gehen müssen, dann hätte die Bank sofort auf unsere Wohnung zugegriffen weil ich ja zur Hälfte Eigentümer unserer gemeinsamen Wohnung bin. Ich hab alle meine Schulden schön brav zurückgezahlt.
Die Schulden die ich hatte, waren fast nur bei der Bank. Egal ob Miete, Gas, Strom, Sozialversicherung, also all diese Dinge, die dann normalerweise das Plastiksackerl zum Platzen bringen, die hab ich bezahlt. Bei der Bank hat meine Frau gebürgt, und dann sind unsere beiden Lebensversicherungen ziemlich zeitgleich fällig geworden und damit haben wir einen großen Schub bezahlt und damit wurde sie dann freigestellt und dann war nur mehr ich Bürge.
Meine Frau war immer am laufenden über meine Probleme. Ich hatte das Glück, dass damals, als ich überhaupt kein Einkommen hatte, meine Frau alle laufenden Kosten aus ihrem Einkommen bezahlen konnte. Ohne die Absicherung über sie wäre überhaupt nichts gegangen. Ich muss sagen, bei dem ganzen Durcheinander, das ich mit der Firma hatte, ich hatte immer mein soziales Umfeld, das war eine Verpackung, die immer gehalten hat. Ansonsten weiss ich nicht, wie das alles weiter gegangen wär.
Kap. 1: Alles auf eine Karte gesetzt
Kap. 2: Ein kranker Bruder
Kap. 3: ... und dann setzte ich alles auf eine Karte
Kap. 4: Ein Freund - der rettende Strohhalm?
Kap. 5: Der erste Schritt zurück in den Arbeitsmarkt
Kap. 6: Was kommt zuerst - das Produkt oder die Verwaltung?
Kap. 7: Mut zur Ehrlichkeit
Online seit: 28.07.2003


Wie Sie auch schwierige Zeiten überleben
Wie Selbständige Ziele realistisch definieren, Chancen erkennen und Probleme aktiv lösen