Leben mit der Krise
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Alles auf eine Karte gesetzt

>> ... und dann setzte ich alles auf eine Karte

Herbert versuchte, bei großen EDV-Firmen den Fuß in die Tür zu bekommen. Er investierte viel und es schien sich zu lohnen...

Stichworte: Branchen: EDV, IKT | Controlling | Erfahrungsberichte | Familienbetrieb | Teamgründung

Also ich hab dann hoch gepokert. Ich konnte keine Verträge unterschreiben, softwareseitig konnte ich nichts machen und mein Bruder lag im Krankenhaus. Also hab ich dann selbst einen Gewerbeschein gelöst für die Hardware, das war dann 1993, und hab versucht, hardwareseitig Umsatz zu machen und damit die Infrastruktur zu erhalten. Ich bin davon ausgegangen, dass ich von meinem Know-how, das ich vorher gehabt hab, leben kann. Das war aber vor allem Industrie- Knowhow und nicht Endkunden-Knowhow, was die Hardware anlangt.

Ich hab mich im Industriebereich umgeschaut und hab bei zwei sehr großen Firmen den Fuß in die Tür reinbekommen. Bei der einen Firma hatte ich aber leider den absterbenden Ast erwischt. Und bei der zweiten Firma war ich dann umsatzmäßig schon gut drin, die haben meine PCs dann unter ihrem Namen weiterverkauft, das waren Spezialanfertigungen. Dieses Geschäft hat sich dann aufgelöst weil ich Zwischenhändler war und die Margen sind so zusammengebrochen, dass nichts mehr drin war. Am Anfang hatte ich noch einen Rohaufschlag von ca. 500 Schilling pro PC, zum Schluss schon einen Verlust von 1.000 Schilling pro PC. Ich musste mir plötzlich auch alles auf Lager legen, hunderte Motherboards, davon verkommen heute noch einige in meinem Keller.

Die Rechnung hat nicht gestimmt, das war mir schon klar, aber ich hab es als Investition gesehen, ich bin auch ganz gut reingekommen. Ich hab mir schon einen Namen machen können weil ich hab mit ihnen Mess-Pcs für Fertigungsstraßen entwickelt und ähnliche Spezialprojekte gemacht. Dadurch haben sich immer mehr Abteilungen für mich interessiert und konnte immer mehr beliefern. Dann gab es verschiedene Umstrukturierungen und dann ist die Firma eine Kooperation mit einem großen, internationalen PC-Hersteller eingegangen. Es gab dann die Weisung, Hardware nur mehr von diesem zu beziehen. Die Kooperation hat zwar nicht lange gehalten, aber das hat mir das Genick gebrochen.

Ich hatte alles auf eine Karte gesetzt und der eine Brief hat das Kartenhaus zusammenfallen lassen, das war 1996. Sie hatten mir zwar noch eine Kooperation angeboten, aber die Verträge waren einfach inakzeptabel. Zwischendurch hat es schon noch kleinere Aufträge gegeben, aber die haben das bei Weitem nicht aufgewogen, was ich bei dieser Firma hineininvestiert hatte.

Weiterlesen:

Kap. 1: Alles auf eine Karte gesetzt

Kap. 2: Ein kranker Bruder

Kap. 3: ... und dann setzte ich alles auf eine Karte

Kap. 4: Ein Freund - der rettende Strohhalm?

Kap. 5: Der erste Schritt zurück in den Arbeitsmarkt

Kap. 6: Was kommt zuerst - das Produkt oder die Verwaltung?

Kap. 7: Mut zur Ehrlichkeit

Online seit: 28.07.2003

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