Leben mit der Krise
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Der Fluch des raschen Geldes

>> Der Shooting-Star verlässt das Nest

Renate war nun Handelsvertreterin und arbeitete mit der Firma ihres Partners. Alles passte, die Konjunktur war gut und die Beziehung funktionierte - noch.

Stichworte: Branchen: EDV, IKT | Branchen: Handel | Burn out | Erfahrungsberichte | Familie und Beruf | Familienbetrieb | Zwangsausgleich

Das ist auch eine arge Geschichte, schon in den ersten Monaten hatte ich ca. 30.000 Schilling im Monat verdient. Das war für mich mit vorher 9.000 Schilling natürlich der absolute Irrsinn, Wahnsinn. Man denkt sich, was tu ich so großartig Anderes? Früher habe ich irrsinnig viel gearbeitet und hab fast nichts verdient und dann sitze ich lässig am Telefon, hab die Kunden besucht. Ich meine, ich komme aus einfachen Verhältnissen, meine Eltern haben furchtbar schwer gearbeitet für ihre Existenz. Und ich hab eigentlich nur Schmäh gfürt.

Ein bisschen übergeschnappt bin ich damals sicher auch, also so etwas wie Starallüren. Ich mein ich war schon dran und hab das konsequent betrieben. Meine Selbstdisziplin ist sicher etwas, das mir zugute gekommen ist. Von der EDV hatte ich überhaupt keine Ahnung. Ich hab nicht einmal gewusst, wie eine Diskette ausschaut. Also ich hab nur mit meiner Persönlichkeit verkauft. Innerhalb kürzester Zeit hab ich die höchsten Umsätze in der Firma eingefahren und sämtliche Männer überholt.

Ich hab sechsstellige Provisionsbeträge bekommen. Es war so, dass ich aus der Differenz zwischen Einkauf und Verkauf 50% bekommen habe. Ich war schon selbständig und hatte den Gewerbeschein, aber es war nicht eigenverantwortlich bis zur letzten Konsequenz. Wir Handelsvertreter haben Kunden akquiriert und diese betreut und waren auch in der Preisgestaltung autonom. Aber wir haben uns nicht gekümmert um die Buchhaltung, um das Mahnwesen, um den Wareneinkauf oder Lager oder sonst was. Dadurch, dass wir auch eine private Beziehung hatten, hab ich da schon auch mitgearbeitet. Aber es war nicht meine Verantwortung.

Die Beziehung war nicht einfach. Er war deutlich älter als ich und es gab dann privat einige Enttäuschungen. Ich hab das menschlich schlecht ausgehalten und mich nach sechs Jahren getrennt - auch dieses Mal hatten wir ein Haus miteinander gebaut. Für mich war damit auch klar, dass ich nicht mehr mit ihm arbeiten will und kann. Ich hab fast Hals über Kopf meine eigene Firma aus dem Boden gestampft, das war 1991.

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Weiterlesen:

Kap. 1: Der Fluch des raschen Geldes

Kap. 2: Der Shooting-Star verlässt das Nest

Kap. 3: Gespannt wie ein Gummiringerl

Kap. 4: Mitten im Burnout

Kap. 5: Vom Rettungsversuch in den Konkurs

Kap. 6: Ein Zwangsausgleich und endlich Entspannung

Kap. 7: Neue Ausbildung - neues Leben

Online seit: 22.10.2003

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