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Ich hab dann mit einer Ausbildung zur Astro-Therapeutin begonnen und mich auch noch in anderen Bereichen wie Aromatherapie weiter gebildet. Ich hab dann auch meinen Mann kennengelernt und ich bin mit 40 noch einmal Mutter geworden. Wir ziehen demnächst in unser Haus ein, das wir gebaut haben.
Mein Leben hat sich gänzlich geändert. Ich biete heute Produkte, Seminare und Beratungen an, die sich alle um das Thema ganzheitliche Lebensführung drehen. Mein Mann verdient gut und deckt genau meine Defizite ab. Er hat einen sehr sorgsamen Umgang mit Geld. Wenn ich zwei Euro einnehme, dann sagt er, einen davon legen wir für die Steuer und die Sozialversicherung weg. Er kümmert sich um meine Verträge und ich brauch nicht mehr auf eine Bank gehen, wenn ich nicht will.
Der Druck ist aus meinem Leben gewichen. Ich trage nicht mehr alleine Verantwortung für ein Kind. Ich habe den Freiraum, Dinge langsam und vorsichtig anzugehen. Ich weiss inzwischen, dass die Burnout-Gefahr bei mir angelegt ist und ich muss auch immer wieder darauf aufpassen, dass ich mich nicht zu sehr hineinsteigere - dass es noch Aktivität im positiven Sinn bleibt. Und ich kann mich jetzt wirklich Dingen widmen, die mein Herz erfüllen und muss nicht irgendwelchen Dingen nachrennen, weil es existenziell wichtig ist. Was mir von damals geblieben ist, das ist ein ausgeprägtes Sicherheitsbedürfnis. Das hatte ich früher nicht.
Ich bin froh, dass mir der Ausstieg möglich war. Ich war damals jung und hab abnormal viel Geld verdient. Und da bekommen natürlich Dinge ein Gewicht, die von ungeheurer Oberflächlichkeit waren. Ich lebe jetzt viel intensiver und viel schöner und tiefer, ich bin an Teile meines Wesens herangekommen, die ich zuvor nicht kannte. Und es ist schön, dass ich anderen Menschen in meinen Kursen und Seminaren etwas von meinen Erfahrungen weitergeben kann. Deshalb hab ich mich auch entschlossen, dieses Interview zu machen.
Ich habe ein Netzwerk gegründet, von Müttern, die selbständig sind. Es ist noch am Anfang, aber es funktioniert toll. Wir tauschen uns aus, vermitteln und helfen uns weiter. Ich hab einfach gelernt, wie wichtig es ist, sich auszutauschen und wie leicht man sonst in eine Schiene kommt, aus der man nicht mehr herausfindet.
Diese Einsamkeit damals, das war eine Extremsituation und es gibt viele, die in einer ähnlichen Situation sind. Meine Freundin damals, es war nicht ihre Firma im Ausgleich, aber trotzdem, die hat auch nicht schlafen können, hat sich auch gefürchtet. Das hat mir damals sehr geholfen, das Gefühl, dass ich nicht die Einzige bin. Wenn ich die Zeitung aufmache und da lese ich von einem Konkurs, das spürt sich nicht an, das ist ja sehr abstrakt. Und meist sind es große Firmen und dann denk ich mir nur, nicht einmal die überstehen schwierige Zeiten. Als Kleiner plagt man sich ja viel mehr, hat man ja viel weniger background.
Ich denke noch immer über meine Fehler nach. Jeder macht unternehmerische Fehler, aber die müssen nicht unbedingt im Drama enden.
Kap. 1: Der Fluch des raschen Geldes
Kap. 2: Der Shooting-Star verlässt das Nest
Kap. 3: Gespannt wie ein Gummiringerl
Kap. 4: Mitten im Burnout
Kap. 5: Vom Rettungsversuch in den Konkurs
Kap. 6: Ein Zwangsausgleich und endlich Entspannung
Kap. 7: Neue Ausbildung - neues Leben
Online seit: 22.10.2003


Wie Selbständige Ziele realistisch definieren, Chancen erkennen und Probleme aktiv lösen