Leben mit der Krise
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Von der Beziehungskrise in die Existenzkrise

>> Beziehungsende und erste Konflikte mit Kunden

Trotz privater Trennung arbeitet Michaela weiter mit ihrem Lebensgefährten. Die privaten Konflikte wirken sich aber zunehmend auf das Unternehmen aus.

Stichworte: Branchen: Handel | Erfahrungsberichte | Familienbetrieb | Geschäftsführer GmbH | Privatkonkurs

Eigentlich wollte ich mich damals auch beruflich von ihm trennen und die GmbHs an ihn übergeben. Aber darauf ist er mir nicht eingestiegen. Sein Vorschlag war, die berufliche Ebene zu belassen und wie bisher weiter zu machen. Ich hatte damals den Eindruck, dass er damit vernünftig umgehen kann und ich dachte mir, ich bin auch erwachsen. Er hatte die ganzen Kontakte zu den Kunden aufgebaut, das hatte er wirklich gut gemacht. Also hab ich mich darauf eingelassen und mir gedacht, wenn es nicht funktioniert, dann werde ich einen Käufer finden müssen ? damit kann ich mich auch noch später beschäftigen.

Wir hatten uns zwar nichts mehr zu sagen, aber gegenüber den Mitarbeitern und gegenüber den Kunden konnten wir das hintanstellen. Das Arrangement begann zu bröckeln, als ich einige Monate später wieder eine private Beziehung hatte. Ich merkte es anfangs nicht wirklich, ich wollte wahrscheinlich die Warnsignale nicht sehen. Er kam zum Beispiel viel unregelmäßiger ins Büro. Mir war das nicht so unrecht, denn er wurde zunehmend destruktiver und das hat sich langsam negativ auf das Arbeitsklima ausgewirkt. So lange er draußen bei den Kunden seine Arbeit gut machte, war es mir recht wenn ich ihn nicht so oft sah.

Und dann kam ein Anruf von einem unserer drei großen Kunden. Dabei stellte sich heraus, dass die schon seit Wochen darauf warteten, dass er endlich vorbeikommt, er hatte schon einige Termine platzen lassen. Die waren ziemlich sauer und ein Auftrag, der praktisch unter Dach und Fach war, begann plötzlich zu wackeln. Da ging es um große Beträge, das waren ein paar Hunderttausend Euro. Da war natürlich Feuer am Dach.

Ich stellte ihn zur Rede, mir hatte er ja immer vermittelt, dass alles am Laufen sei. Ab dem Moment wurde es ziemlich schwierig, das Klima zwischen uns phasenweise offen aggressiv. Ich musste den Auftrag unbedingt absichern, wir hatten schon mit den Vorbereitungen begonnen und ihn fix eingeplant. Ich setzte alles daran, mit ihm eine vernünftige Arbeitsbasis zu finden, um den Auftrag noch zu retten. So auf die Schnelle war er einfach nicht zu ersetzen und ich denke, er genoss es damals sehr, mich in der Hand zu haben. Er hat seinen Frust hemmungslos ausgelebt, nicht nur im Büro, sondern dann auch im Beisein von Kunden. Ich habe mich damals unglaublich unter Druck setzen lassen.

Die Kunden beschwerten sich immer häufiger, er eröffnete eine Baustelle nach der anderen, es gab dann schon rundherum nur mehr Probleme. Also es funktionierte nichts mehr, der Schaden wurde mit jedem Tag größer. Letzten Endes ging auch der Auftrag verloren und für mich war der Zeitpunkt vorbei, an dem ich hätte das Unternehmen verkaufen können. Der Konflikt eskalierte immer mehr und schließlich fasste ich mir ein Herz und kündigte ihn ? leider viel zu spät.

Weiterlesen:

Kap. 1: Von der Beziehungskrise in die Existenzkrise

Kap. 2: Hohe Umsätze, wenige Kunden

Kap. 3: Beziehungsende und erste Konflikte mit Kunden

Kap. 4: Der zweite große Kunde will überraschend abspringen

Kap. 5: Game over - zu pleite für den Konkurs?

Kap. 6: Schadensbegrenzung zum Teil gelungen

Online seit: 22.02.2006

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