Leben mit der Krise
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>> Was kommt zuerst - das Produkt oder die Verwaltung?

Heute ist für Herbert klar: wenn er wieder gründen würde, dann muss zuerst die Verwaltung stehen und dann kommt das Produkt.

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Ich schließe nichts aus, vielleicht werd ich wieder selbständig. Aber dann nur noch als Einzelperson Dienstleister. Also einen Bereich, wo ich nur von mir abhängig bin und der Zukauf an Dienstleistungen und Waren negierbar ist.

Ich würde keine Co-Gründung mehr machen. Das Problem bei der Co-Gründung ist, dass wenn einer der beiden in eine schräge Lage kommt, zieht er den anderen mit. Das kann man gar nicht verhindern. Gemeinsam mit jemand anderem gründen ist auch eine Frage vom Zeitpunkt, wann man es macht. Wenn ich etwas miteinander gründe, dann investier ich in der Gründungsphase viel Energie und Zeit in dieses gegenseitige Anpassen, das ist wie eine Ehe. Heute bin ich 45 und ich will nicht mehr 5 Jahre mit gegenseitigem Anpassen, Abschleifen, Ausdiskutieren, Freiräume schaffen usw. verbringen. Das ist aber notwendig, wenn du das nicht hast, dann sitzen zwei Leute im gleichen Büro, aber es ist keine gemeinsame Firma.

Früher hab ich immer geglaubt, es muss als erstes das Produkt stehen, das ich dann verwalte. Jetzt bin ich soweit dass ich sage, ich brauche die Verwaltung damit ich das Produkt so einbetten kann, dass es überhaupt wachsen kann. Als ich jung war hab ich den totalen Hass auf dieses Beamtentum und die Papierkramerei gehabt. Ich hab gelernt, dass das der Kern ist.

Heute sage ich, bevor du überhaupt was anfangst, muss vorher die fertige verwaltungstechnische Infrastruktur da sein und dann fangst mit der Firma an. Weil wennst zuerst mit der Firma anfangst, dann hast immer irgendwelche Lücken, immer irgendwelche Scheisszettel, die keiner findet. Du weisst, sie sind da und du brauchst, was da drauf steht und du verbratest Stunden damit, ihn zu suchen. Und dadurch, dass du das schon negativ empfindest, verbratest du dann auch noch sehr viel Energie in dieses Suchen. Weil du dir bewusst bist, hättest ihn gleich gelocht und abgelegt, dann würdest du ihn jetzt nicht suchen. Nur leider hast du zu dem Zeitpunkt noch nicht einmal einen Ordner gehabt, geschweige denn einen Locher. Weil da hast du lieber zuerst das Produkt organisiert, damit du es dem Kunden hinstellen kannst. Die streicheln dich natürlich, weil du so ein toller Lieferant bist.

Und so lieb jemand ist, ohne dass er unterschreibt, kriegt er nichts. Freundschaft ist alles leiwand, solange man beim Wirten sitzt, aber sobald es ums Geschäft geht, gehört das alles klar definiert. Nicht einmal so sehr aus Misstrauen der Person gegenüber, sondern auch aus der Erfahrung heraus, dass sich Dinge innerhalb eines Moments umdrehen. Du machst dir mit einem Mitarbeiter in einer Firma was aus, und dann wird umdisponiert. Der sitzt plötzlich auf einem anderen Platz und die ganzen Abmachungen sind hinfällig. Du hast aber auf das hingearbeitet und nicht nur Geld investiert, sondern auch Zeit. Das darf man auch nicht unterschätzen, die investierte Zeit, ob du sie für was investierst, wo du was dafür kriegst oder ob du sie weghaun kannst.

Weiterlesen:

Kap. 1: Alles auf eine Karte gesetzt

Kap. 2: Ein kranker Bruder

Kap. 3: ... und dann setzte ich alles auf eine Karte

Kap. 4: Ein Freund - der rettende Strohhalm?

Kap. 5: Der erste Schritt zurück in den Arbeitsmarkt

Kap. 6: Was kommt zuerst - das Produkt oder die Verwaltung?

Kap. 7: Mut zur Ehrlichkeit

Online seit: 28.07.2003

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